Multimodalität

Multimodalität mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mit geschriebener wie gesprochener Sprache können wir komplexe Zusammenhänge formulieren und erklären. Bilder können das nicht, sie können zwar Weltausschnitte dokumentieren, aber ihr großes Potenzial besteht vielmehr darin, Aufmerksamkeit zu wecken und Stimmung zu schaffen. Die Bedeutung eines Bildes wird dabei von den Rezipierenden erst erschlossen, die Interpretation eines Bildes ist dabei relativ offen und wird unter Umständen erst durch den Text präzisiert.

Daher ist in der Wissenschaftskommunikation zu überlegen, welche Rolle die unterschiedlichen Elemente einer Sehfläche, also z. B. einer Magazin-Doppelseite, einer Homepage, einer Pressemitteilung, spielen, was stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden soll und was nicht.

Definition: Was ist Multimodalität?

Texte bestehen in vielen Fällen nicht nur aus Geschriebenem, sondern aus einer Kombination von Text und Bild, Grafiken, Layout und Farben. Dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Zeichentypen wird als Multimodalität bezeichnet. 

Die Einbindung von farbigen Elementen, grafischer Gestaltung und Ton ist gängige Praxis. Vor allem aber Bilder haben in Texten unterschiedliche Funktionen: Sie können Aufmerksamkeit erzeugen, Attraktivität steigern, dokumentieren, informieren, illustrieren/veranschaulichen, argumentieren/begründen, überzeugen/beweisen, erklären, warnen, emotionalisieren, erzählen, unterhalten, Text strukturieren, oder ästhetisch wirken (Bendel Larcher 2015: 161). Jedes Bild hat eine Wirkung auf den Text und da Menschen zuerst die Bilder wahrnehmen, ist das darauffolgende Lesen durch den Eindruck geprägt, den das Bild vermittelt.

Beispiel

Das Beispiel zeigt eine Seite aus der Universitätszeitschrift Hoch3 der TU Darmstadt. Das Layout besteht aus einem vierspaltigen Text sowie großen (Zwischen-)Überschriften und einem drei Spalten breiten Foto eines herbstlichen Waldes. Es ist sinnvoll, die Gesamtseite (bzw. einer Doppelseite) als Sehfläche zu betrachten, auf der unterschiedliche Zeichensysteme/Modi (Text, Bild, Farben, Layout) zusammenwirken.

Abbildung einer Seite aus der Hoch3 der Universitätszeitschrift der TU Darmstadt mit dem Bild eines Waldes im Herbst und diversen Artikeln mit Überschriften und Fließtext

Modus Bild: warme Farben, Natur
 
Modus Text: Überschriften, Zwischenüberschriften, Fließtext
 
Modus Typografie: gefettete Großbuchstaben in den Überschriften, Fließtext in Normalgröße 
 
Modus Layout: vierspaltig; Hervorhebung von Unterüberschriften durch Einrahmung; großzügige Freiflächen

Wann wird Multimodalität problematisch?

Beim Einsatz von multimodalen Elementen sind Vorgaben seitens des Instituts (z. B. auf allen Fotos müssen Menschen zu sehen sein) einzuhalten.

Unabhängig davon ist es grundsätzlich wichtig, den Einsatz der verschiedenen Modi zu reflektieren, da diese Auswirkungen auf das Verstehen des geschriebenen Texts haben. Ideal ist eine Passung zwischen Text und Bild/Grafik/Farben, sodass alle Modi aufeinander abgestimmt sind und die Kernaussage des Textes unterstützen. Aber auch bewusst erzeugte Dissonanzen können Effekte erzielen, die im jeweiligen Kontext das Verstehen eines Textes befördern. 

Prüffragen für die Textarbeit

  • Welche Funktion hat das Bild, die Grafik, die Farbgebung, das Layout im Text?
  • Ist das Bild, die Grafik, die Farbe, das Layout hierfür sinnvoll ausgewählt?
  • Trägt die Grafik zum Verständnis des Textinhalts bei oder ist diese zu kompliziert?
  • Wurde im Fließtext auf das Bild verwiesen, weil es illustrierend, erklärend, dokumentierende Funktion hat, oder ist es ein rein ästhetisches Element, das eher Stimmung schaffen soll?  
  • Entspricht das gewählte Bild bzw. die gewählte Farbgebung der Kernaussage des Textes oder läuft es der Kernbotschaft zuwider?
  • Habe ich alle Rechte an dem Bild oder an der Grafik und kann dieses bedenkenlos verwenden?