Schreib- & Textproduktionsprozess
Texte entstehen selten in einem einzigen Schreibdurchgang. Schreiben bedeutet, Wissen auszuwählen, zu strukturieren und für einen bestimmten kommunikativen Zweck aufzubereiten. In der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Textproduktion deshalb eine situierte und häufig kollaborative Tätigkeit.
Schreib- und Textproduktionsprozesse mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Einen guten Text zu schaffen, bedeutet nicht, Informationen einfach aufzuschreiben. Schreiben ist ein Prozess, in dem Inhalte ausgewählt, geordnet, formuliert und an einen bestimmten Zweck und ein bestimmtes Publikum angepasst werden. Gerade in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit entsteht ein Text deshalb selten einfach „aus dem Kopf“ – zur Textproduktion gehört auch: Recherchieren, Planen, Schreiben, Überarbeiten und Abstimmen.
Definition: Schreiben und Textproduktion
Der Schreibprozess umfasst die Tätigkeiten, mit denen schriftliche Kommunikationsangebote hergestellt werden. Er umfasst den gesamten Prozess der Herstellung eines – gegebenenfalls multimodalen – Textes und damit beispielsweise auch die Recherche, inhaltliche Organisation, Reformulierung und Redaktion, Bildauswahl und Formatierung.
Der Textproduktionprozess rückt zudem die Situiertheit des Schreibens in den Vordergrund: Jemand schreibt in einem beruflichen Kontext mit einer bestimmten Ausbildung an seinem Arbeitsplatz aus einem konkreten Anlass zu einem bestimmten Thema für ein bestimmtes Publikum und Medium und muss diesen Text meist mit anderen abstimmen. Alle diese Aspekte haben Auswirkungen darauf, wie der Text am Ende aussieht.
Vom Aufschreiben zum Umformen
Beim Schreibprozess müssen verschiedene Anforderungen gleichzeitig bewältigt werden: Ideen müssen entwickelt, Informationen ausgewählt und in verständliche Sätze verfasst werden. Im wissenschaftliche Schreiben werden oft etwas pauschal zwei unterschiedliche Schreibweisen unterschieden:
Knowledge Telling
Beim Knowledge Telling steht vor allem das vorhandene bzw. neu erkannte Wissen im Mittelpunkt. Schreibende rufen Informationen ab und bringen sie strukturiert zu Papier. Dabei werden die Unterschiedlichkeit möglicher Textfunktionen und die Frage, wie der Text bei den Leser:innen ankommt, eher vernachlässigt.
Knowledge Transforming
Beim Knowledge Transforming wird Wissen dagegen für einen bestimmten kommunikativen Zweck umgeformt. Erfahrene Schreibende fragen also nicht nur Was weiß ich über das Thema?, sondern auch Was wissen meine Leser:innen schon, was sollen sie lernen und wie muss ich mein Wissen darstellen, damit es verständlich und relevant ist?
Schreiben ist situationsabhängig
Wie ein Text entsteht, hängt von der konkreten Schreibsituation ab: Wer schreibt? Für wen? Mit welchem Ziel? Unter welchem Zeitdruck? Mit welchen Informationen und Vorgaben? Und wer arbeitet noch an dem Text mit? Schreiben lässt sich deshalb als kontextbewusstes Handeln verstehen. Textproduktionsprozesse bestehen aus verschiedenen Schreibsituationen, in denen unterschiedliche Anforderungen, Kompetenzen, Strategien und Routinen zusammenwirken.
Das bedeutet auch: Wenn ein Text schwer zu formulieren ist, muss das nicht an einer mangelnden Schreibfähigkeit liegen. Schwierigkeiten können beispielsweise mit dem Thema (wenn wenig anschaulich) oder den momentanen Rahmenbedingungen (Situation, Beteiligte) zu tun haben. Damit kann der Weg zu einem fertigen Text immer unterschiedlich aussehen. Welche der beiden folgenden Strategien sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Aufgabe, der Textsorte und der eigenen Schreiberfahrung ab:
Top-down
Beim Top-down-Schreiben steht bereits ein Textschema oder eine Gliederung zur Verfügung. Der Text wird anhand dieser Struktur entwickelt.
Bottom-up
Beim Bottom-up-Schreiben entstehen Inhalt und Struktur während des Schreibens. Man beginnt beispielsweise mit einzelnen Gedanken oder Informationen und entwickelt daraus nach und nach die Struktur des Textes.
Prüffragen für die Textarbeit
- Was ist mein Ziel? Was soll der Text bei den Leser:innen erreichen?
- Für wen schreibe ich? Welches Vorwissen kann ich voraussetzen ?
- Was muss in den Text? Welche Informationen sind für das kommunikative Ziel relevant?
- Wie soll der Text funktionieren? Was erwarten die Leser:innen? Welche Struktur und welche sprachliche Gestaltung erfordert die Textsorte? Welche Möglichkeiten und Einschränkungen sind durch das Vermittlungsmedium vorgegeben?
- Mit wem muss ich den Text anschließend abstimmen? Welche (unterschiedlichen) Interessen verbinden sich mit dem Text, was muss ich hier beachten?
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