Verständlichkeit
Verstehen bzw. Textrezeption ist ein aktiver Prozess, wobei Menschen den Sinn desselben Texts auf unterschiedliche Weise konstruieren können.
Verständlichkeit mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Die Arbeit von Pressestellen von Forschungseinrichtungen besteht unter anderem darin, wissenschaftliche Inhalte an die Öffentlichkeit und damit an eine Vielzahl von Zielgruppen mit unterschiedlichem Vorwissen zu vermitteln – und das in möglichst verständlicher Form. Während viele Bestrebungen darauf abzielen, wirksamere Formate der Wissenschaftskommunikation zu entwickeln, geht es hier um die sprachliche Form, in der die Inhalte präsentiert werden. Hierfür braucht es einen (oft zweifachen) Übersetzungsprozess: von der Wissenschaftssprache in die Alltagssprache (und oft auch: vom Englischen ins Deutsche). Deshalb müssen in solchen Vermittlungskontexten sprachliche Anpassungen vorgenommen werden – weniger Fachbegriffe, weniger Nominalisierungen, mehr Fokus auf die Forschenden usw., damit Forschung verständlicher und für interessierte Laien nachvollziehbarer gestaltet wird.
Definition: Was ist Verständlichkeit?
Verstehen bzw. Textrezeption ist ein aktiver Prozess, der nicht nur auf dem Lesen eines Texts beruht, sondern ganz wesentlich auch darauf, auf die eigenen Wissensbestände zurückzugreifen. Das heißt, dass das Bedeutungspotenzial eines Textes beim Lesen in Wechselwirkung tritt mit dem abgespeicherten Wissen, das Leser:innen bei der Lektüre aktivieren. Die Rezipierenden müssen also im Verstehensprozess Sinn erst konstruieren, da der Sinn nicht nur im Text steckt. Jeder Mensch liest denselben Text vor einem anderen Wissenshintergrund (und nicht selten auch in sehr unterschiedlichen Situationen in Verbindung mit sehr unterschiedlichen Interessen).
Verstehen liegt also bei den Leser:innen. Um dieses Verstehen zu erleichtern, sollte ein Text möglichst verständlich sein. Textautor:innen haben nur auf die Verständlichkeit einen direkten Einfluss.
Studien zur Verständlichkeit von Texten haben sich stark auf Wörter, Sätze, Typografie und Bilder fokussiert. Wir geben hier eine kurze Auswahl wieder:
Typografische Hervorhebungen wie Fettdruck oder Unterstreichungen, aber auch Zwischenüberschriften, können hilfreich sein, um vor allem längere Texte zu strukturieren. Durch die Markierungen stellt sich aber das Phänomen des „highlighting“ und „hiding“ ein: Das Markierte wird betont und in den Blick gerückt – zu Lasten anderer, ebenfalls relevanter Inhalte.
Wörter: Kurze Wörter sind am leichtesten verständlich, weil sie oftmals auch die geläufigsten Wörter einer Sprache sind; geläufige Wörter sind am leichtesten verständlich, weil die kognitive Verarbeitung schneller abläuft als bei weniger geläufigen; konkrete Wörter werden schneller erschlossen als abstrakte. Vor allem Nominalisierungen sind schwerer verständlich als Verben und könnten in Nebensätzen aufgelöst werden.
Sätze: Studien zeigen, dass kürzere Sätze oder solche mittlerer Länge leichter kognitiv verarbeitet werden als lange Schachtelsätze. Formulierungen im Aktiv sind dabei leichter verständlich als Passivkonstruktionen und Nebensätze, positiv formulierte Aussagen leichter als Verneinungen.
Bilder und Abbildungen tragen zum Verständnis eines Textes bei, wenn sie die Texte strukturieren und mit dem zu übermittelnden Textinhalt übereinstimmen und ihn inhaltlich sinnvoll anreichern.
Vorstrukturierungen wie Teaser und Vorab-Zusammenfassungen können dazu führen, dass die darauffolgenden Texte leichter verstanden werden, weil sie der kognitiven Gliederung dienen: Die Leser:innen werden bereits auf die folgenden Inhalte eingestellt.
Prüfkriterien für die Textarbeit
Ein verständlicher Text ist durch verschiedene Merkmale gekennzeichnet. Anstatt diese theoretisch zu füllen, formulieren wir aus den Studienergebnisse konkrete Empfehlungen und ordnen diese den Merkmalen zu:
Struktur
Strukturieren Sie Ihren Text inhaltlich logisch, auch auf der Satz- und Absatzebene. Verknüpfen Sie Inhalte sinnorientiert und logisch – z. B. durch Konnektoren – und setzen Sie Absätze bewusst funktional (reißen Sie keine inhaltlichen Zusammenhänge auseinander). Nutzen Sie ggf. Aufzählungen und Textauszeichnung zur Verbesserung der Übersichtlichkeit.
Motivation
Motivieren Sie Ihre Leserschaft zum (Weiter-) Lesen durch Beispiele, Metaphern oder Analogien. Knüpfen Sie an Alltagserfahrungen an und machen Sie die Relevanz der Forschung deutlich. Vermeiden Sie Passivkonstruktionen und zu viele Nominalisierungen und machen Sie stattdessen die Forschenden als Menschen sichtbar.
Prägnanz
Prägnanz sorgt für Rezeptionsökonomie und unterstützt die Aufmerksamkeit. Formulieren Sie den Inhalt und Zweck Ihres Texte daher prägnant, wenn Sie gegen die Vielzahl an konkurrierenden Informationsangeboten bestehen wollen.
Simplizität
Achten Sie darauf, dass Wortwahl und Satzbau klar und einfach sind: Prüfen Sie, welche Fachbegriffe zwingend verwendet werden, aber auch verstehbar sein müssen, um den Gesamttext zu erschließen. Lösen Sie <Abkürzungen> auf, wenn sie der fachlichen Umgebung entspringen und nicht allgemeinverständlich sind. Vermeiden Sie Schachtelsätze, zu viele Attribute und verdichtende Nominalisierungen.
Korrektheit
Vermeiden Sie grammatische und orthografische Fehler. Formulieren Sie die Inhalte korrekt und passen Sie sie an den Wissensstand der Zielgruppe an. Fehler stellen nicht nur die Textqualität in Frage, sondern behindern auch das Verständnis des Textes.
Perzipierbarkeit
Das Layout des Textes sollte klar sein und die inhaltliche Struktur des Textes unterstützen. Setzen Sie Typografie, Zwischenüberschriften und Bilder/Grafiken kohärent und gezielt unterstützend ein. Achten Sie darauf, Strukturen damit sichtbar zu machen, statt zu unterbrechen, damit Sie den Lesefluss nicht stören.
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