Soziale Medien
Soziale Medien entwickeln sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Informationsquelle für Wissenschaft und Forschung. Plattformen wie Instagram, Youtube und TikTok oder auch LinkedIn werden zunehmend genutzt, um sich zu informieren – auch in den Bereichen Wissenschaft und Forschung. Studien zeigen, dass sich rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland zumindest gelegentlich online über Wissenschaft informieren (Wissenschafts-barometer 2023, in Wissenschaft im Dialog & Kantar 2023b). Ein Teil davon greift dabei gezielt auf soziale Medien und Videoplattformen zurück.
Besonders bei jüngeren Zielgruppen spielen diese Kanäle eine zentrale Rolle. Gleichzeitig erreichen klassische Formate, wie Pressemitteilungen, ältere Zielgruppen oft besser. Für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bedeutet das: Wissenschaftskommunikation findet heute in unterschiedlichen medialen Räumen mit unterschiedlichen Erwartungen statt.
Soziale Medien bieten dabei die Möglichkeit, wissenschaftliche Inhalte sichtbarer zu machen und neue Zielgruppen anzusprechen. Gleichzeitig stellen sie besondere Anforderungen an die sprachliche Gestaltung von Inhalten.
Sprache in den Sozialen Medien
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht unterscheiden sich Soziale Medien deutlich von klassischen Pressetexten. Die Kommunikation ist
- stärker verdichtet, denn Inhalte werden stark gekürzt und auf zentrale Aussagen reduziert,
- informeller und näher an gesprochener Kommunikation,
- multimodal, weil Texte neben Bildern, Videos oder Emojis stehen,
- und dialogisch durch Kommentare und Likes
Zudem entstehen neue <Textsorten>, die sich nicht eindeutig den klassischen Textsorten zuordnen lassen. Posts, Threads oder Kurzvideos folgen eigenen sprachlichen und strukturellen Regeln.
Soziale Medien als Informationsquelle
Die Nutzung sozialer Medien verändert nicht nur die Verbreitung, sondern auch die Wahrnehmung von Informationen. Inhalte werden häufig:
- fragmentiert dargestellt (einzelne Posts statt zusammenhängende Texte),
- aus ihrem Kontext gelöst,
- schnell und selektiv rezipiert (beispielsweise beim Scrollen).
Besonders Videoplattformen gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Der Trend zu kurzen, visuell geprägten Formaten zeigt sich auch in der Wissenschaftskommunikation.
Der Easiness Effect
Ein wichtiger Befund: Leicht verständliche Inhalte werden (im Rahmen Sozialer Medien) oft als überzeugender wahrgenommen. Studien zum sogenannten Easiness Effect (Scharrer et al 2017; 2021) zeigen, dass einfache Darstellungen als glaubwürdiger eingeschätzt werden können; unabhängig davon, wie gut sie wissenschaftlich abgesichert sind. Das erhöht jedoch die Gefahr, dass vereinfachte oder fehlerhafte Informationen leichter akzeptiert werden.
Wissenschaftskommunikation in den Sozialen Medien
Für die Wissenschaftskommunikation ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung: Inhalte müssen verständlich und anschlussfähig sein, ohne dabei ihre fachliche Grundlage zu verlieren. Soziale Medien eröffnen dabei neue Möglichkeiten:
- Wissenschaftler:innen können direkt sichtbar werden,
- Forschungsprozesse werden zugänglicher,
- Inhalte können zielgruppenspezifisch aufbereitet werden.
Gleichzeitig zeigen Studien, dass wissenschaftliche Expertise in sozialen Medien nicht immer ausreichend vertreten ist (Christ et al 2024). Dies kann zu Qualitätsverlust oder Fehlinformationen führen. Eine aktive Beteiligung von Wissenschaftler:innen und Institutionen wird daher zunehmend wichtiger. Eine erfolgreiche Kommunikation hängt stark davon ab, ob Inhalte an die Plattformlogiken und Nutzungserwartungen angepasst werden.
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