Multimodalität
Schriftliche Texte können durch Bilder begleitet und stark visuell gestaltet sein. Digital können Töne oder Videos integriert sein. Diese „Multimodalität“ hat ein großes Potenzial mit Blick auf Wissenschaftskommunikation.
Multimodalität mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mit geschriebener wie gesprochener Sprache können wir komplexe Zusammenhänge formulieren, erklären und argumentieren. Bilder allein können das nicht – sie können zwar Weltausschnitte dokumentieren, aber ihr großes Potenzial besteht eher darin, Aufmerksamkeit zu erregen und Stimmungen zu transportieren. Die Bedeutung eines Bildes ist dabei meist relativ offen und wird von Lesenden unter Umständen erst durch den Text präzise erfasst.
Mit dem Textlayout kann die Lektüre ebenfalls stark gesteuert werden – dies folgt aber oft einem Corporate Design, was Gestaltungsweisen festlegt und Spielräume einengt.
In Videos finden die visuelle und sprachliche Ebene meist zwangsläufig enger zusammen. Videos können Forschung und ihre Protagonisten lebendig machen, erfordern aber auch einen deutlich größeren technischen und planerischen Aufwand.
Daher ist in der Wissenschaftskommunikation zu überlegen, welche Rolle die unterschiedlichen medialen Elemente und Ausdrucksformen spielen, was unverzichtbar ist und was überladen, was sich ergänzt und was eher ablenkt, was hervorgehoben wird und was nicht.
Definition: Was ist Multimodalität?
Texte bestehen in vielen Fällen nicht nur aus geschriebener Sprache, sondern aus einer Kombination von Text, Layout, Bildern, Grafiken, Farben und ggf. Musik oder eingebetteten Videos. Dieses Zusammenspiel unterschiedlicher „Zeichentypen“ wird als Multimodalität bezeichnet.
Die Einbindung von farbigen Elementen, (typo-)grafischer Gestaltung und Ton ist gängige Praxis. Vor allem aber Bilder haben in Texten unterschiedliche Funktionen: Sie können Aufmerksamkeit erzeugen, Attraktivität steigern, dokumentieren, informieren, illustrieren/veranschaulichen, argumentieren/begründen, überzeugen/beweisen, erklären, warnen, emotionalisieren, erzählen, unterhalten, Text strukturieren oder ästhetisch wirken. Allerdings oft nur zusammen mit dem Text. Dabei hat jedes Bild eine Wirkung auf den Text, und da Menschen zuerst die Bilder wahrnehmen, ist das darauffolgende Lesen durch den Eindruck geprägt, den das Bild vermittelt.
Beispiel
Das Beispiel zeigt eine Seite aus der Universitätszeitschrift Hoch3 der TU Darmstadt. Das Layout besteht aus einem vierspaltigen Text sowie großen (Zwischen-)Überschriften und einem drei Spalten breiten Foto eines herbstlichen Waldes. Es ist sinnvoll, die Gesamtseite (bzw. eine Doppelseite) als Sehfläche zu betrachten, auf der unterschiedliche Zeichensysteme („Modi“ wie Text, Bild, Farben, Layout) zusammenwirken.

Modus Bild: Natur zur Illustration, warme Farben, „Gefahr“ nicht spürbar („versteckt“)
Modus Text: Überschriften, Zwischenüberschriften, Vorspann und Fließtext
Modus Typografie: gefettete Großbuchstaben in den Überschriften, Fließtext in Normalgröße
Modus Layout: vierspaltig; Hervorhebung von Unterüberschriften durch Einrahmung; großzügige Freiflächen
Wann wird Multimodalität problematisch?
Beim Einsatz von multimodalen Elementen sind Vorgaben seitens der eigenen Institution einzuhalten (z. B. Zeichenumfang bestimmter Textsorten; Text-Bild-Anordnung; wenn auf allen Fotos Menschen zu sehen sein müssen).
Unabhängig davon ist es grundsätzlich wichtig, den Einsatz der verschiedenen Modi zu reflektieren, da diese Auswirkungen auf das Verstehen und die Verständlichkeit des geschriebenen Texts haben. Ideal ist eine Passung zwischen Text und Bild/Grafik/Farben, sodass alle Modi aufeinander abgestimmt sind und die Kernaussage des Textes unterstützen. Je assoziativer die Visualisierung zum Text, umso größer die Gefahr einer verständnishemmenden „Text-Bild-Schere“. Allerdings können bewusst erzeugte Dissonanzen auch Effekte erzielen, die im jeweiligen Kontext das Verstehen eines Textes befördern. Überladung der Sehfläche sollte vermieden werden.
Prüffragen für die Textarbeit
- Welche Funktion hat das Bild, die Grafik, die Farbgebung, das Layout im und für den Text? Was ist illustrierend, erklärend, dokumentierend … und was sind rein ästhetische Elemente, die eher Stimmungen erzeugen soll?
- Sind Bild, Grafik, Farben, Layout hierfür sinnvoll ausgewählt?
- Welche inhaltliche Leistung übernimmt das Bild/eine Grafik relativ zum verbalen Text? Wird im Fließtext am passenden Ort darauf verwiesen?
- Trägt das Bild/die Grafik zum Verständnis des Textinhalts bei oder erfordert es/sie eine eigene Entschlüsselungsleistung?
- Entspricht das gewählte Bild bzw. die gewählte Farbgebung der Kernaussage des Textes oder läuft es der Kernbotschaft zuwider?
- Habe ich alle Rechte an dem Bild oder an der Grafik, um es bedenkenlos verwenden zu können (vor allem bei KI-Bildern oft ungeklärt)?
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