Analogien
Analogien sind Ausdrücke, die ein Ähnlichkeitsverhältnis zwischen zwei Sachverhalten herstellen. Sie können in der Wissenschaftskommunikation hilfreich sein, um komplexe wissenschaftliche Inhalte über schon Bekanntes zu vermitteln.
Analogien mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ähnlich wie Metaphern dienen Analogien der Vermittlung von komplexen wissenschaftlichen Erkenntnissen, und zwar über Ähnlichkeitsbeziehungen. Analogien schaffen mentale Bilder und veranschaulichen dadurch Sachverhalte. Argumentativ ermöglicht ein Analogieschluss, einen bestehenden Konsens oder auf Neuartiges zu übertragen oder zumindest Akzeptanz zu fördern.
Definition: Was sind Analogien
Eine Analogie ist eine rhetorische Figur, mit der Unbekanntes mit Hilfe von Bekanntem verständlich gemacht wird, wobei zwischen beiden eine Ähnlichkeitsbeziehung mit Blick auf Funktion, Struktur oder Beziehung vorliegt. Analogien können als mentale Modelle betrachtet werden. Sie evozieren mentale Bilder, auf die wir im Verstehensprozess zurückgreifen und mit denen wir die neuen Sachverhalte vergleichen und erschließen können. Argumentativ eingesetzt, ermöglichen Analogien, einen bekannten Konsens auf einen neuen, ähnlich gelagerten Sachverhalt zu übertragen (Analogieschluss).
Einfache Analogien basieren auf drei Elementen: dem Gegenstand oder Sachverhalt, dem (Transport-)Mittel und einem Konnektor wie beispielsweise ähnlich wie oder ist wie. Das (Transport-)Mittel ist hierbei das, was als bekannt, einfach oder konkret angenommen wird. Solche einfachen Analogien können mit weiteren Informationen angereichert werden, zum Beispiel mit Angaben zur Reichweite oder zu Einschränkungen der Analogie.
Beispiele
Das Herz funktioniert wie eine Pumpe, Wissenschaftler:innen sind Detektiv:innen
Die veränderte Rotationsgeschwindigkeit der Erde kann beispielsweise in Analogie zu einer Eiskunstläuferin erklärt werden:
In unserer früheren Arbeit hatten wir gezeigt, dass aufgrund der beschleunigten Schmelze der polaren Eisschilde und der Gebirgsgletscher im 21. Jahrhundert der Meeresspiegel steigt, was die Erdrotation verlangsamt und daher die Tage verlängert – vergleichbar einer Eiskunstläuferin, die sich langsamer dreht, wenn sie die Arme ausstreckt, und schneller, wenn sie diese nah am Körper hält.
Mostafa Kiani Shahvandi vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien
Wann sind Analogien hilfreich, wann problematisch? Ergebnisse von Rezeptionsstudien
Analogien, mit deren Hilfe wissenschaftliche Inhalte für Laien fassbar und verstehbar gemacht werden, werden von diesen oftmals als hilfreich und verstehensfördernd empfunden. Ähnlich wie bei Metaphern, sollte jedoch genau überlegt werden, welche Analogie im jeweiligen Fall verwendet werden kann, welche Inhalte dabei zum Tragen kommen und welche Nebenbedeutungen gegebenenfalls hervorgerufen werden. Eine Analogie kann sich zum Beispiel aus strukturellen und/oder funktionalen Gründen anbieten (ist beschaffen wie vs. funktioniert wie).
Eine oft genutzte Analogie im Kontext ist, den Klimawandel als Krankheit zu behandeln und die Erde als Patienten. Die Auswirkungen des Klimawandels sind dann Symptome, die mit Gegenmaßnahmen behandelt werden müssen. Eine solche Analogie kann und sollte im Text dann weitergeführt werden: Was sind die Symptome, wer sind die Ärzte, wie wird behandelt? Wie wird ein Gesundheitszustand definiert? Hat die Erde Fieber (globaler Temperaturanstieg) oder Wunden (Risse im ausgetrockneten Boden, Erosionsflächen, Kahlschlag), und kann sie/können die Symptome geheilt werden (Wiederaufforstung, Renaturierung von Flussbetten)? Im Zusammenhang mit Geo-Engineering werden Injektionen von Chemikalien in die Atmosphäre diskutiert, die zur Kühlung des Planeten beitragen sollen. Solche Analogien unterstützen den Schluss, dass der Mensch handeln muss (als Arzt).
Wichtig ist zu überlegen, wo und zu welchem Zweck die Analogie platziert wird. Wird sie an den Anfang eines Textes gesetzt, wirkt sie als advance organizer: Sie strukturiert den Folgetext vor. Dadurch können Lesende die wissenschaftlichen Inhalte an die Analogie rückbinden und vor deren Hintergrund verstehen. Positioniert man die Analogie im Verlauf des Textes, wirkt sie als embedded activator und hilft so bei der Erschließung komplizierterer Sachverhalte. Am Ende eines Textes haben Analogien zusammenfassende Funktion und hinterlassen ein prägnantes Bild.
Studien haben gezeigt, dass wissenschaftliche Inhalte, die in Analogien zu Natur und natürlichen Prozessen dargestellt werden, eher akzeptiert und befürwortet werden als andere. Beispielsweise wurden in der Klimaforschung Technologien entwickelt, die CO2 aus der Luft aufnehmen. Die Analogie zu Bäumen, die ebenfalls die Luft filtern, CO2 aufnehmen und Sauerstoff abgeben, liegt nahe. Es konnte gezeigt werden, dass eine solche Technologie, wenn sie in dieser naturbasierten Analogie präsentiert wird, eher angenommen wird, als wenn sie als Technologie erklärt wird.
Hilfreich ist es, die Ähnlichkeiten zwischen dem Thema und dem (Transport-)Mittel einer Analogie konkret anzugeben, die Analogie also nicht einfach zu verwenden, sondern auch zu erklären. Problematisch und verwirrend werden Analogien, wenn sie zu weit getrieben werden, wenn die (strukturelle/funktionale) Ähnlichkeit nicht ausreicht oder Analogien gar in die Irre führen – oder aber auch, wenn das Bekannte, auf dem die Analogie basiert, nicht bekannt genug ist. Daher sollte die Reichweite einer Analogie thematisiert werden, um zu zeigen, bis wohin Ähnlichkeit besteht und wo die Analogie vom Sachverhalt abweicht.
Prüffragen für die Textarbeit
- Besprechen Sie mit den Forscher:innen, ob es in der Forschung bereits Analogien für einen komplexeren Zusammenhang oder einen Fachbegriff gibt. Diese Analogie könnte einen geeigneten Ausgangspunkt darstellen.
- Ist die Analogie stringent verwendet? Bis wohin reicht sie?
- Wird das hervorgehoben bzw. ausgeklammert, was intendiert ist?
- Können unerwünschte Assoziationen und Nebenbedeutungen entstehen?
- Ist die Analogie im Textverlauf gut platziert und kann sie dort ihre Funktionen entfalten?
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