Analogien
Analogien mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ähnlich wie <Metaphern> dienen Analogien der Vermittlung von komplexen wissenschaftlichen Sachverhalten/Erkenntnissen, und zwar über Ähnlichkeitsbeziehungen. Analogien erzeugen oftmals mentale Bilder, sodass man sich Dinge oder Abläufe vor seinem geistigen Auge sichtbar machen kann.
Definition: Was sind Analogien
Eine Analogie ist eine rhetorische Figur, mit der Unbekanntes mit Hilfe von Bekanntem verständlich gemacht wird, wobei zwischen beiden eine Ähnlichkeitsbeziehung mit Blick auf Funktion, Struktur oder Beziehung vorliegt.
Einfache Analogien basieren auf drei Elementen: dem Thema/Gegenstand/Sachverhalt, dem (Transport)Mittel und einem Konnektor wie beispielsweise „ist ähnlich wie“ oder „ist wie“ (vgl. Curtis/Reigeluth 1984: 110). Das (Transport)Mittel ist hierbei das, was als bekannt, einfach und konkret angenommen wird. Ziel ist es, dieses Bekannte, Einfache und Konkrete als Ausgangspunkt zu nehmen, um schwierige und abstrakte Inhalte zu vermitteln. Solche einfachen Analogien können mit weiteren Informationen angereichert werden, zum Beispiel mit Angaben zur Reichweite oder Einschränkungen der Analogie.
Analogien können als mentale Modelle betrachtet werden. Sie evozieren mentale Bilder, auf die wir im Verstehensprozess zurückgreifen und mit denen wir die neuen Sachverhalte vergleichen können.
Beispiele:
Analogien wie Wissenschaftler:innen sind Detektiv:innen funktionieren auf unterschiedliche Weise:
Die Atmosphäre als Badewanne
Strukturelle Analogien beruhen auf einer gemeinsamen Beschaffenheit der Gegenstände. Eine in der Klimakommunikation gängige und erprobte Analogie ist, die Atmosphäre als Badewanne zu verstehen, da sie Eigenschaften wie ein Behälter hat, der irgendwann gesättigt bzw. gefüllt ist: Die Atmosphäre, in der sich CO2 anreichert, bis sie nichts mehr aufnehmen kann, wird dargestellt als Badewanne, in die Wasser eingelassen wird, bis sie überläuft.
Das Herz ist eine Pumpe
Funktionelle Analogien beruhen darauf, dass ein Gegenstand oder Sachverhalt auf ähnliche Weise funktioniert wie das, womit verglichen wird, beispielsweise „das Herz ist eine Pumpe“. Ein Herz und eine Pumpe sind funktional miteinander vergleichbar, weil beide Flüssigkeiten transportieren.
Die Eiskunstläuferin
Am wirkmächtigsten sind Analogien, die beides kombinieren, also strukturell–funktionelle Analogien, wie die folgende: Die veränderte Rotationsgeschwindigkeit der Erde wird beispielsweise in Analogie zu einer Eiskunstläuferin erklärt:
„In unserer früheren Arbeit hatten wir gezeigt, dass aufgrund der beschleunigten Schmelze der polaren Eisschilde und der Gebirgsgletscher im 21. Jahrhundert der Meeresspiegel steigt, was die Erdrotation verlangsamt und daher die Tage verlängert – vergleichbar einer Eiskunstläuferin, die sich langsamer dreht, wenn sie die Arme ausstreckt, und schneller, wenn sie diese nah am Körper hält“, erklärt Mostafa Kiani Shahvandi vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien.
Wann sind Analogien hilfreich, wann problematisch? Ergebnisse von Rezeptionsstudien
Analogien, mit deren Hilfe wissenschaftliche Inhalte für Nicht-Experten fassbar und verstehbar gemacht werden, werden von Nicht-Experten oftmals als hilfreich und verstehensfördernd empfunden. Es sollte aber genau überlegt werden, welche Analogie im jeweiligen Fall verwendet werden kann, welche Inhalte dabei zum Tragen kommen und welche Nebenbedeutungen gegebenenfalls hervorgerufen werden.
Wenn es um Klimawandel und Ideen, wie dieser gestoppt oder verlangsamt werden kann, geht, kommen oft Analogien vor wie beispielsweise „Die Erde ist ein Patient, der behandelt werden muss“ (= Der Klimawandel hat negative Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten und es müssen Maßnahmen ergriffen werden). Definiert werden sollte im Text dann weiter: Was sind die Symptome, wer sind die Ärzte, wie wird behandelt? Wie wird ein Gesundheitszustand definiert? Hat die Erde „Fieber“ (globaler Temperaturanstieg), „Wunden“ (Risse im ausgetrockneten Boden, Erosionsflächen, menschengemachter Kahlschlag) und kann sie punktuell „geheilt“ werden (Wiederaufforstung, Renaturierung von Flussbetten)? Im Zusammenhang mit Geo-Engineering werden „Injektionen“ von Chemikalien in die Atmosphäre diskutiert, die zur Kühlung des Planeten beitragen sollen. Solche Analogien evozieren das Gefühl, dass der Mensch handeln muss (als Ärzte).
Wichtig ist auch zu überlegen, wo und zu welchem Zweck die Analogie platziert wird. Wird sie an den Anfang eines Textes gesetzt, wirkt sie als „advance organizer“ (Ausubel 1969: XX; Herv. im Orig.), sie strukturiert den Folgetext vor. Dadurch können Lesende die wissenschaftlichen Inhalte an die Analogie rückbinden und vor deren Hintergrund verstehen. Positioniert man die Analogie im Verlauf des Textes, wirkt sie als „embedded activator“ (Reigeluth 1983; Herv. im Orig.) und hilft beim Verständnis der komplizierteren Themen. Am Ende eines Textes haben Analogien synthetisierende und schließende Funktion. (vgl. Curtis/Reigeluth 1984: 108-109).
Studien haben gezeigt, dass wissenschaftliche Inhalte, die in Analogien dargestellt werden, die sich an Natur und natürliche Prozesse anlehnen, eher angenommen und unterstützt werden als andere. Beispielsweise wurde zur Reduktion des CO2-Haushalts Technologien entwickelt, die CO2 aus der Luft aufnehmen. Die Analogie zu Bäumen, die die Luft ebenso filtern und CO2 aufnehmen und Sauerstoff abgeben, liegt nahe. In Studien konnte gezeigt werden, dass diese Technologie, wenn sie in dieser naturbasierten Analogie präsentiert wird, eher angenommen wird.
Hilfreich ist es, die Ähnlichkeiten zwischen dem Thema und dem (Transport)Mittel einer Analogie konkret anzugeben und die Analogie zu erklären. Problematisch und verwirrend werden Analogien, wenn sie zu weit getrieben werden, wenn die Ähnlichkeit nicht ausreicht oder Analogien gar in die Irre führen – oder aber auch, wenn das Bekannte, auf dem die Analogie basiert, nicht bekannt genug ist oder einer Person sogar völlig fremd. Hilfreich ist es, die Reichweite einer Analogie anzugeben und zu zeigen, bis wohin die Ähnlichkeit gesichert ist und inwiefern die Analogie vom Sachverhalt abweicht.
Prüffragen für die Textarbeit
- Besprechen Sie mit den Forscher:innen, ob es in der Forschung bereits Analogien für einen komplexeren Zusammenhang oder einen Fachbegriff gibt. Diese Analogie kann hilfreich sein, um den Leser:innen in der Öffentlichkeit etwas Einfaches/Bekanntes an die Hand zu geben, das einen komplexen Zusammenhang verdeutlicht (Anfangspunkt).
- Ist die Analogie stringent verwendet?
- Wird das hervorgehoben bzw. ausgeklammert, was ich intendiert habe?
- Entstehen unerwünschte Nebenbedeutungen?
- Ist die Analogie gut platziert und kann ihre Funktionen entfalten?
Weitere passende Ergebnisse
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Metaphern
Metaphern sind bildhafte Ausdrücke, die im übertragenen Sinne zu verstehen sind. Sie können in der Wissenschaftskommunikation hilfreich sein, um komplexe Inhalte zu vermitteln. Weiterlesen
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Erzählen gilt als ein vertrauter Kommunikationsmodus und erscheint daher auf den ersten Blick besonders verständlich. Welche Funktionen erfüllen Narrationen tatsächlich und sind sie für Verständlichkeit in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit notwendig? Weiterlesen
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In einer Zeit, in der populistische Diskurse den Status von Wissen in Frage stellen, braucht es Vertrauen in die Wissenschaftskommunikation. Dies ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis bewusster sprachlicher Entscheidung. Weiterlesen

