Metaphern
Metaphern sind sprachliche Bilder, die im übertragenen Sinne zu verstehen sind. Sie können in der Wissenschaftskommunikation hilfreich sein, um komplexe Inhalte zu vermitteln, etwas hervorzuheben oder Emotionen zu wecken.
Metaphern mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Metaphern prägen unsere Alltagssprache und spielen auch innerhalb der Wissenschaft eine größere Rolle, als uns meist bewusst ist. Weil sie Unbekanntes durch den Rückgriff auf Bekanntes greifbar machen können, kommt Metaphern eine erkenntnissteuernde und verständnisfördernde Funktion zu. Gleichzeitig können Metaphern bestimmte Aspekte eines Sachverhalts besonders hervorheben oder bewerten, Emotionen auslösen und handlungsorientierend eingesetzt werden.
Definition: Was sind Metaphern?
Metaphern sind Wörter oder Wortgruppen, die im übertragenen Sinn zu verstehen sind. Die Rhetorik spricht von Ersatzfiguren, weil man sie doppelt lesen kann: wörtlich und übertragen. Eine Metapher wie Mutter Natur beispielsweise überträgt Leistungen wie „Schutz“ oder „Ernährung“ aus einer Verwandtschaftsbeziehung (Mutter sein) auf das Verhältnis zwischen Natur und Mensch und bewertet dieses dadurch emotional und positiv.
Neuere Ansätze zeigen, dass Metaphern durchgängig unsere Alltagssprache strukturieren (z. B. wenn ‚oben‘ immer gut und ‚unten‘ immer schlecht ist) und prägen, z. B. wenn Theorien regelmäßig als Gebäude (eine Theorie entwerfen/aufstellen/stützen, theoretisch fundiert, grundlegend) oder Forschung als Weg (nächste Schritte, Meilensteine, ein Ziel erreichen) veranschaulicht werden. Metaphern dieser Art bemerken wir kaum noch. Trotzdem fokussieren auch sie durch die Wahl des jeweiligen Bildes bestimmte Aspekte eines Sachverhalts („highlighting“) und verdecken andere („hiding“).
Beispiele
Ein Beispiel aus der Wissenschaftskommunikation ist die Metapher des Kipp-Punkts im Klimawandeldiskurs, die inzwischen auch für alle möglichen anderen Themenbereiche genutzt wird (vor allem in der politischen Kommunikation). Hier wird ein anschauliches Phänomen aus der Physik verwendet (wenn man genug Druck auf einen Gegenstand oder eine Person ausübt und der Schwerpunkt den Balancepunkt überwindet, kippt das Objekt/die Person um). Dieses überträgt man auf das komplexe Erd-Ökosystem bzw. den Klimawandel. Die Metapher signalisiert einen abrupten und möglicherweise irreversiblen Wechsel im Klima, was wiederum von den Medien genutzt wird, um auf die katastrophalen Auswirkungen dieses Wandels und die Dringlichkeit einer Verhaltensänderung hinzuweisen. Damit wird die Metapher auch wissensvermittelnd und pädagogisch genutzt und im weiteren Diskurs moralisch aufgeladen.
Wann sind Metaphern hilfreich, wann problematisch?
Metaphern und Analogien prägen wegen ihrer fundamentalen erkenntnissteuernden Funktion bereits das fachliche Denken und den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Daher erscheint es sinnvoll, auch in der Wissenschaftskommunikation metaphorisch an bereits Bekanntes anzuknüpfen, wenn Erkenntnisse vermittelt werden sollen, die für die Öffentlichkeit abstrakt, neu und schwierig vorstellbar sind (z. B. das Fließen elektrischen Stroms). Allerdings sollte man sich immer bewusst sein: Wenn man Metaphern verwendet, werden Aspekte eines Sachverhaltes hervorgehoben, gleichzeitig aber andere verdeckt oder vernachlässigt. Bezeichnet man beispielsweise eine Bakteriengeißel metaphorisch als Motor, wird (nur) die Antriebsfunktion der Geißel hervorgehoben; dass die Geißel auch andere Funktionen hat, dass sie beispielsweise die Wahrnehmung von Reizen und die Haftung an Oberflächen ermöglicht, wird dabei kognitiv entlastend ausgeklammert oder bewusst verdeckt.
Zudem müssen Metaphern stimmig und eingängig sein, wenn sie Komplexität reduzieren und das Verständnis fördern sollen. Einmal eingeführte Metaphern sollten stringent verwendet werden. Es ist beispielsweise nicht zu empfehlen, von der DNA im gleichen Text als Code, Programm und Stammbaum zu sprechen, wenn eigentlich nur eine der damit veranschaulichten Funktionen im Text relevant ist. Verschiedene Metaphern für den selben Sachverhalt oder „hinkende“ Metaphern, die eigentlich nicht passen, erschweren das Textverständnis oder können gar zu Verwirrung führen.
Möchte man den begrenzten Erkenntniswert einer Metapher und damit eine gewisse Distanzierung im Text deutlich machen, empfiehlt es sich, diese durch Anführungszeichen zu markieren.
Prüffragen für die Textarbeit
- Gibt es in der zu berichtenden Forschung bereits etablierte Metaphern für einen komplexeren Zusammenhang oder einen Fachbegriff, die man nutzen könnte?
- Sind die Metaphern stringent verwendet? Entspricht das erzeugte Bild dem, was vermittelt werden soll?
- Wird das hervorgehoben, was jeweils intendiert ist? Wird nichts verdeckt, was wichtig ist?
- Entstehen keine unerwünschten Nebenbedeutungen?
- Wenn Dringlichkeit oder Handlungsdruck erzeugt werden sollen: Ist die Metapher noch neu genug, um Aufmerksamkeit zu erregen?
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