Metaphern
Metaphern mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
In wissensvermittelnden Texten kann kaum auf Fachbegriffe verzichtet werden, immerhin sind sie in der jeweiligen Disziplin zentrale Bedeutungsträger und dienen einer präzisen Kommunikation. Ziel sollte es aber sein, Fachbegriffe in wissensvermittelnden Kontexten so einzubetten, dass die Texte dennoch verständlich sind.
Definition: Was sind Metaphern?
Fachbegriffe sind Wörter, deren Bedeutung innerhalb eines Fachgebiets präzise festgelegt und definiert ist. Sie enthalten fachliches Wissen in kondensierter Form und sind damit sehr voraussetzungsreich, wenn es um Verstehen geht. Teilweise werden dieselben Begriffe aber in unterschiedlichen Disziplinen mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt, weswegen der Verwendungskontext eine wichtige Rolle spielt.
Beispiele
Der Kipppunkt im Klimawandeldiskurs: Diese Metapher ist besonders prominent. Hier wird ein Phänomen aus dem Bereich der Physik verwendet (wenn man genug Druck auf einen Gegenstand oder eine Person ausübt und der Schwerpunkt den Balancepunkt überwindet, kippt das Objekt/die Person um), und überträgt diesen auf das komplexe Erd-Ökosystem bzw. den Klimawandel. Die Metapher signalisiert einen abrupten und möglicherweise irreversiblen Wechsel im Klima, was wiederum von den Medien genutzt wird, um auf möglicherweise katastrophale Auswirkungen dieses Wandels und die Dringlichkeit einer Verhaltensänderung hinzuweisen. Damit wird sie auch im wissensvermittelnden, pädagogischen Sinne genutzt und mit Verhaltensaufforderungen und im weiteren Diskurs moralisch aufgeladen (vgl. van der Hel et al. 2018).
Weitere Beispiele:
- Strom fließt
- Meeresströmungen sind Förderbänder
- DNA ist ein Code
- Klimawandel als Feind
- Krieg gegen das Corona-Virus
Wann sind Metaphern hilfreich, wann problematisch? Ergebnisse von Rezeptionsstudien:
Metaphern und <Analogien> prägen bereits das fachliche Denken und liegen der Erkenntnisgewinnung zugrunde. Wenn Wissenschaftler:innen etwas Neues verstehen und Zusammenhänge erkennen wollen, müssen wir auf Bekanntes zurückgreifen. Daher macht es Sinn, auch in der Wissenschaftskommunikation an bereits Bekanntes anzuknüpfen, wenn Erkenntnisse vermittelt werden sollen, die für die Öffentlichkeit abstrakt, neu und schwierig vorstellbar sind (z. B. die Größe des Universums, die Anzahl von Bakterien, Auswirkungen des Klimawandels).
In der Wissenschaftskommunikation sind Metaphern für die Lesenden, die mit neuen Inhalten konfrontiert sind, hilfreicher zum Verständnis als für Expert:innen, die bereits über Wissen verfügen.
Metaphern sind keine linguistische Zierde oder Ausdruck der Kreativität, sondern tragen vor allem Bedeutungen, die Emotionen auslösen und Handlungsanleitungen vermitteln können. Wenn ein Hurricane als „Biest“ auf die Küste „zustürmt“ und Häuser sowie Straßen „vernichtet“, wirkt er gefährlicher als wenn er als „großer Sturm, der auf die Küste trifft“ bezeichnet wird. Auch die daraus resultierenden Handlungsentscheidungen können variieren: Evakuierung vor dem „Biest“ oder Bleiben und Aushalten des „Sturms“ (Hauser/Fleming 2021).
Metaphern müssen Sinn machen und eingängig sein. Wenn man Metaphern verwendet, werden Aspekte eines Sachverhaltes hervorgehoben, gleichzeitig aber andere verdeckt oder vernachlässigt: Bezeichnet man beispielsweise eine Bakteriengeißel metaphorisch als „Motor“, wird diese Funktion der Geißel hervorgehoben (highlighting); dass die Geißel auch andere Funktionen hat, wie dass sie beispielsweise die Wahrnehmung von Reizen und Anheften an Oberflächen ermöglicht, wird dabei ausgeklammert (oder bewusst verdeckt; hiding).
Eingeführte Metaphern sollten stringent verwendet werden. Es ist schwierig, beispielsweise von der DNA als „Code“, „Programm“ und „Stammbaum“ zu sprechen, wenn nur eine dieser Funktionen im Text adressiert wird. Andernfalls kann dies beim Lesenden Verwirrung auslösen. Auch sollten Metaphern stimmig sein und die zu vermittelnden Konzepte sinnvoll tragen können, wenn sie komplexitätsreduzierend und damit verstehensfördernd wirken sollen.
Möchte man eine Metapher im Text besonders betonen oder sich von ihr abgrenzen, empfiehlt es sich, diese durch Anführungszeichen zu markieren.
Prüffragen für die Textarbeit
- Besprechen Sie mit den Forscher:innen, ob es in der Forschung bereits Metaphern für einen komplexeren Zusammenhang oder einen Fachbegriff gibt. Diese Metapher kann hilfreich sein, um den Leser:innen in der Öffentlichkeit etwas Einfaches/Bekanntes an die Hand zu geben, das einen komplexen Zusammenhang verdeutlicht (Anfangspunkt).
- Sind die Metaphern stringent verwendet? Entspricht das erzeugte Bild dem, was vermittelt werden soll?
- Wird das hervorgehoben bzw. ausgeklammert, was ich intendiert habe?
- Entstehen unerwünschte Nebenbedeutungen?

