Modalität und Modalverben

Modalität und Modalverben mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ergibt sich hier ein Spannungsfeld: Journalistische Texte vermeiden häufig Modalverben wie kann, könnte, dürfte oder müsste. Sie gelten als Zeichen von <Unsicherheit> oder als Abschwächung einer Aussage. Dagegen erfüllen Modalverben in wissenschaftlichen Texten eine wichtige Funktion: Sie helfen, Aussagen präzise zu formulieren, Wahrscheinlichkeiten auszudrücken oder notwendige Bedingungen zu beschreiben. Wissenschaftliche Ergebnisse werden selten als absolute Gewissheit präsentiert, sondern als begründete Annahmen, Hinweise oder Möglichkeiten. 

Definition: Was bedeutet Modalität im Text?

In Texten geht es nicht nur darum, was gesagt wird, sondern auch, wie sicher, notwendig oder möglich eine Aussage ist. Modalität zeigt, welche Haltung ein:e Autor:in zu einer Aussage einnimmt. Sie macht deutlich, ob etwas als sicher gilt, als möglich eingeschätzt oder als notwendig beschrieben wird. Damit steuert Modalität, wie Leser:innen eine Information einordnen. Im Deutschen wird Modalität häufig durch Modalverben ausgedrückt: kann, muss, sollte, dürfte. Sie verändern die Aussage eines Satzes oft deutlich: 

(1) „Die Maßnahme wirkt.“

(2) „Die Maßnahme kann wirken.“

Der Unterschied liegt nicht im Inhalt, sondern im Grad der Sicherheit. Während Satz (1) eine feste Aussage trifft, markiert der Satz (2) eine Möglichkeit. 

Wann wird Modalität problematisch?

Modalverben können Texte auch abschwächen oder unklar machen. Problematisch sind sie vor allem dann, wenn sie Aussagen vage erscheinen lassen. Mehrere Modalverben oder zusätzliche Unsicherheitsmarker (wahrscheinlich, möglicherweise) können die Aussagekraft eines Textes verringern. 

Modalverben sollten weder grundsätzlich vermieden noch übermäßig eingesetzt werden. Entscheidend ist, dass sie dort stehen, wo sie die wissenschaftliche Aussage korrekt und verständlich wiedergeben. 

Für den bewussten Einsatz von Modalverben

Modalität kann verschiedenen Bedeutungen ausdrücken, die in Texten unterschiedliche Funktionen erfüllen:

  • Möglichkeit: „Die Ergebnisse könnten neue Ansätze eröffnen.“
  • Wahrscheinlichkeit: „Die Daten dürften auf einen Zusammenhang hinweisen.“
  • Notwendigkeit: „Städte müssen ihre Infrastruktur anpassen.“
  • Empfehlung: „Kommunen sollten stärker in Grünflächen investieren.

Wollen

Absicht, Prospektion und Anspruch auf Zustimmung

Mögen

(Dis-)Präferenz, Aspektion und Zugeständnis

Möchte

höflicher Wille, indirekter Wunsch und höflicher Anspruch auf Zustimmung

Sollen

Forderung, Prospektion und Anspruch auf Zustimmung

Sollte

wertende Forderung/ Empfehlung und Einschätzung

Dürfen

Erlaubnis, Verbot und (Dis-)Präferenz

Dürfte

Gerechtfertigte Annahme

Müssen

Unerlässlichkeit, umfassende Geltung und Einsicht

Können

Handlungsoption, eingeschränkte Geltung und Annahme

Könnte/ Müsste

vorbehaltliche Aussicht/ Annahme und vorbehaltliche Erwartung/ Einsicht

Hinweise für die Textarbeit

Modalverben müssen nicht grundsätzlich vermieden, sondern sollten bewusst eingesetzt werden. Sie sind besonders wertvoll, wenn

  • Forschungsergebnisse noch vorläufig sind,
  • Zusammenhänge interpretiert werden,
  • Handlungsmöglichkeiten beschrieben werden.
  • Vorschlag: In Zitaten keine Modalverben übernehmen

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