Negative Themen
Negative Themen, Risiken oder mögliche Gefahren zu kommunizieren, ist sprachlich besonders anspruchsvoll. Wie lassen sich problematische Entwicklungen klar benennen, ohne sie zu verharmlosen, zu dramatisieren oder vorschnell aufzulösen?
Negative Themen mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Negative Forschungsergebnisse, erkannte Risiken oder Krisendiagnosen erzeugen Aufmerksamkeit, können aber zugleich Angst, Unsicherheit oder Abwehr auslösen. Für die Wissenschaftskommunikation bedeutet das: Negative Ereignisse sollten weder zum Sensationsfall gemacht noch sprachlich abgeschwächt werden. Entscheidend ist, das Problem sichtbar zu machen und es zugleich einzuordnen, also seinen Kontext zu erhalten.
Definition: Risiko- oder Krisenkommunikation
Risiko & Gefahr
Ein Risiko bezeichnet ein negatives Ereignis, das eintreten kann. Etwas wird als Risiko wahrgenommen, wenn es mit einer Entscheidung verbunden und damit grundsätzlich veränderbar ist. Eine Gefahr dagegen wird eher als etwas wahrgenommen, dem man ausgesetzt ist.
Krise
Eine Krise beschreibt ein negatives Ereignis, das bereits eingetreten ist. Während sich Risikokommunikation mit einem möglichen zukünftigen Geschehen beschäftigt, bezieht sich Krisenkommunikation auf einen herrschenden Sachverhalt.
Hilfestellung für einen kommunikativen Umgang mit negativen Themen
Negative Themen nicht vorschnell auflösen
Eine typisch kommunikative Strategie besteht darin, auf ein negatives Thema möglichst schnell mit einer Lösung, einer positiven Wendung oder einer Exit-Strategie zu reagieren: Problem benennen – Lösung anbieten – zurück zur Normalität.
Das kann sinnvoll sein, greift aber oft zu kurz. Negative Entwicklungen können tatsächlich bedeuten, dass bisherige Gewissheiten oder Routinen nicht mehr funktionieren. Für die Kommunikation heißt das: Nicht jedes negative Thema braucht sofort eine beruhigende Botschaft. Manchmal ist es wichtiger, offen zu benennen, was sich verändert, was unklar ist und welche Fragen daraus entstehen.
Verantwortung ist nicht automatisch Schuld
Negative Themen zu kommunizieren, bedeutet außerdem, Verantwortung nicht automatisch mit Schuld gleichzusetzen. Statt vorschnell nach Schuldigen zu suchen, kann Kommunikation zunächst helfen, Zusammenhänge sichtbar und Fragen bearbeitbar zu machen. Verantwortung kann dann als Verpflichtung verstanden werden, Antworten auf offene und ungeklärte Fragen zu geben und entsprechende Entscheidungen zu treffen.
Strategien für die Kommunikation negativer Themen
- Das Negative klar benennen: Im Sinne größtmöglicher Transparenz sollte nicht um einen Befund herumgeredet werden. Probleme sollten nicht durch Euphemismen abgeschwächt werden. Hitzewellen sind beispielsweise nicht schönes hochsommerliches Wetter.
- Unsicherheit sichtbar machen: Nicht jede wissenschaftliche Aussage ist eine Gewissheit. Wörter wie kann, könnte, wahrscheinlich, deutet darauf hin sind dort sinnvoll, wo sie den Forschungsstand präzisieren.
- Kontext geben: Ein Risiko sollte nicht isoliert stehen. Größenordnung, Vergleichswerte, Bedingungen und Grenzen der Aussage helfen bei der Einordnung: Klimawandel ist kein Wetterphänomen, auch wenn Wetterphänomene durchaus Indikatoren für die Erderhitzung sind.
- Nicht vorschnell beruhigen: Eine positive Wendung ist nicht automatisch gute Kommunikation, und auch positives Storytelling gewinnt die Menschen nicht automatisch für eine Sache. Manchmal muss zunächst (oder auch: immer wieder) klar und sachlich benannt werden, was problematisch oder offen ist.
- Keine falsche Einfachheit oder Eindeutigkeit erzeugen: Gerade bei negativen Entwicklungen können Kausalitäten komplex und widersprüchlich sein. Deswegen sollten komplexe Ursachen nicht auf einzelne Personen, Gruppen oder Maßnahmen reduziert werden.
- Handlungsmöglichkeiten zeigen, ohne Sicherheit zu versprechen: Wenn es Maßnahmen und Lösungsansätze gibt, sollten sie benannt werden – ebenso wie klare Verantwortlichkeiten. Dabei sollte aber deutlich werden, was Maßnahmen leisten können und wo ihre Grenzen liegen.
Prüffragen für die Textarbeit
- Drücken Formulierungen wie zeigt, belegt, deutet an, kann, könnte den tatsächlichen Forschungsstand angemessen aus?
- Sind Unsicherheiten sichtbar, wo sie relevant sind?
- Wird etwas als Risiko, Gefahr oder Gewissheit gerahmt?
- Wird genügend Kontext gegeben, damit ein negatives Ereignis eingeordnet werden kann?
- Werden komplexe Ursachen möglicherweise unangemessen auf einen einzelnen Grund, eine Person oder einen Verantwortlichen reduziert?
- Gibt es offene Fragen, die als solche benannt werden sollten?
- Gibt es mögliche Maßnahmen und Lösungsansätze, mit denen auf negative Befunde reagiert werden kann, ohne dabei Probleme kleinzureden?
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