Nominalisierungen
Nominalstil verdichtet Informationen, kann Texte aber zugleich schwerer zugänglich machen. Nominalisierungen machen einen Text abstrakt – darunter kann die Klarheit leiden.
Nominalisierungen sind ein wirkmächtiges sprachliches Mittel. Sie verdichten und abstrahieren, sie lassen aber auch die handelnden Subjekte verschwinden. Damit schaffen sie Distanz und verdecken Verantwortung. Für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gilt daher: Nicht jede Abstraktion ist hilfreich. Wo Verständlichkeit, Transparenz und Zitierfähigkeit im Vordergrund stehen, sind aktive Verben häufig die bessere Wahl.
Definition: Was sind Nominalisierungen?
Nominalisierungen entstehen, wenn Tätigkeiten oder Prozesse sprachlich als Sachverhalte dargestellt werden, wie in Durchführung, Anpassung oder Erhöhung. Sie erlauben es, komplexe Inhalte kompakt zu formulieren.
Ein zentraler Effekt dieser Umformulierung besteht darin, dass die handelnde Instanz aus dem Satz verschwinden kann. Während ein Verb im Satz ein Subjekt braucht (also eine Information, wer etwas tut), lässt sich eine nominalisierte Handlung problemlos ohne Akteur:in formulieren.
In der Wissenschaft haben Nominalisierungen eine etablierte Funktion. Mit ihrer Hilfe können komplexe Phänomene begrifflich gebündelt und als stabile Einheiten in Argumentationen eingesetzt werden. Indem Handlungen nicht erzählt, sondern als Zustände oder Sachverhalte präsentiert werden, erscheinen Aussagen zeitlos, objektiv und von individuellen Akteur:innen gelöst. Nominalisierungen tragen so dazu bei, kognitive Komplexität zu reduzieren und eine sachlich distanzierte Darstellungsweise zu unterstützen. Daher sind auch Fachbegriffe oft Nominalisierungen.
Beispiele
Nominalisierungen
Es folgt eine Anpassung der Richtlinien.
Ziel ist die Erhöhung der Transparenz.
Nach erfolgter Prüfung kommt es zur Freigabe.
aufgelöste Nominalisierungen
Das Institut passt die Richtlinien an.
Wir wollen transparenter informieren.
Nach der Prüfung geben wir den Text frei.
Wann werden Nominalisierungen problematisch?
Nominalisierungen sind nicht per se problematisch. Jedoch können sie bspw. in Pressemitteilungen unbeabsichtigte Effekte hervorrufen: Häufig verschleiern sie Handlungen, Verantwortung und Kausalität. Besonders in Verbindung mit Passivkonstruktionen bleibt unklar, wer handelt, entscheidet oder Verantwortung trägt. Für die Praxis bedeutet das: Nominalsierungen sollten nicht grundsätzlich vermieden, aber bewusst eingesetzt werden. Entscheidend ist, ob sie zu Präzisierung und Ökonomie beitragen oder ob sie Aussagen zu stark verdichten oder gar Informationen verbergen, die für das Verständnis und den Nachvollzug relevant sind.
Prüffragen für die Textarbeit
- Trägt die Nominalisierung zur Präzision bei oder verdeckt sie wichtige Informationen? Wäre es zum Beispiel wichtig, dass deutlich wird, wer handelt, entscheidet, verantwortlich ist?
- Trägt die Nominalisierung zur sprachlichen Ökonomie bei oder macht sie den Satz nur schwerer verständlich?
- Kann die Nominalisierung sinnvoll durch einen Neben- oder neuen Hauptsatz ersetzt werden?
- Wäre die Aussage mit einem Verb besser verständlich und leichter zu zitieren?
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