Markierung von (Un)Gewissheit

Wissenschaftliches Wissen ist grundsätzlich vorläufig und hat nur eine bestimmte Reichweite. Daher sollten Nichtwissen und unsicheres Wissen sprachlich als solches markiert werden.

Markierung von (Un)Gewissheit mit Blick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Definition: Welcher Art sind Markierungen von (Un)Gewissheit?

(Un-)Gewissheitsmarkierungen sind alle sprachlichen Mittel, die dazu geeignet sind, (Un-)Gewissheit anzuzeigen. Hierzu gehören:

Modalverben und Modalwörter

Modalverben wie können, müssen, sollen, dürfen geben an, wie Aussagen zu verstehen sind; sie signalisieren, ob ein:e Autor:in etwas für wahrscheinlich (es sollten noch weitere Phänomene auftreten), für möglich (es können noch weitere Phänomene auftreten) , oder für ungewiss hält (es mag noch weitere Phänomene geben).

Mittel zum Ausdruck von zeitlichen Perspektiven

Solche Formulierungen verweisen auf in der Gegenwart Abzuwartendes (wir müssen erst einmal weiterforschen), Zukünftiges (in einem Jahr wissen wir mehr), Vergangenes (im 19. Jahrhundert war man noch fest davon überzeugt) sowie auf Zeiträume und Dauer (seit Jahren forschen sie zu…/wird noch Jahrzehnte dauern). Mit zeitlichen Perspektiven verbinden sich in der Regel auch (positive oder negative) Erwartungen (nach der Auswertung der Messdaten werden wir endlich Antworten auf unsere Fragen haben; ob diese Frage jemals beantwortet werden kann).

Formen der Verneinung

Formen der Verneinung markieren Wissenslücken und andere Formen von Nichtwissen (dies konnte bislang noch nicht erklärt werden).

Wörter aus dem Wortfeld unbekannt, offen, unsicher, strittig

Mit diesen Formulierungen kann z. B. auf offene Forschungsfragen verwiesen werden oder es können Unsicherheiten bei Modellen, Konzepten, Erklärungsansätzen und experimentellen Resultaten transparent gemacht werden.

Wörter aus dem Wortfeld sagen, meinen, glauben

Verben wie feststellen, versichern, behaupten, meinen oder vermuten zeigen den Grad der (Un-)Gewissheit des Gesagten oder der Unsicherheit des/der Äußernden an (ebenso die dazugehörigen Nominalisierungen wie Behauptung, Meinung, Vermutung). Sie sollten daher nicht zur bloßen Variation bei der Redewiedergabe (Zitate), sondern bewusst eingesetzt werden.

Wörter aus dem Wortfeld Wissen & Forschung

Appellative Sprachhandlungen

Formulierungen wie es ist weitere Forschung nötig oder da müssen wir weitere Messungen durchführen  können Forschungsdesiderate kennzeichnen und nötige Handlungen formulieren. Zu unterscheiden ist, ob sie sich an Adressaten richten (und damit Appelle darstellen) oder Selbstzuschreibungen sind (und also als Selbstverpflichtungen und Ankündigungen zu verstehen sind).

Rhetorische Mittel

Wörter aus dem Wortfeld ‚kognitive Ergebnis-sicherung‘

Formulierungen wie Schlussfolgerung, Definition, Annahme oder Postulat können Wissen und Nichtwissen sowie Grade der (Un-)Gesichertheit kognitiv einordnen.

Beispiele
Anzeigen einer Möglichkeit:
Anzeigen einer Forschungslücke und Unsicherheit:
Anzeigen von Risiko und Forschungsdesiderat:

Es gibt eine Reihe von Risiken und Unbekannten“, sagt Paul Bertsch,
stellvertretender Direktor der Land and Water Flagship (…).
„Wir müssen also dringend einen abgestimmten Forschungsplan entwickeln 
und umsetzen, der sich genau damit auseinandersetzt.

Spektrum
Warum sind (Un)Gewissheits-markierungen wichtig, wann werden sie problematisch?
Prüffragen für die Textarbeit

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